Sonnen-Fotografie mit "Minimalst-Technik"

Für den Amateur...

...ist es oft schwierig, Resultate zu erzielen, die sich mit denen der Profis vergleichen lassen. Dieses Wettrennen ist kaum zu gewinnen. Es kann jedoch auch reizvoll sein, die Zielsetzung umzudrehen und zu testen mit welchem minimalen Aufwand sich besondere Himmelsereignisse gerade noch erfolgreich ablichten lassen. Beim Venustransit am 8.6.2004 wurde deshalb bewusst auf digitale Technik verzichtet und auf einen herkömmliche 100ASA-Diafilm zurückgegriffen. Dank des exzellenten Wetters konnte während des Transits eine komplette Serie mit verschiedenen Fotoobjektiven erstellt werden. Mit 200mm und 128mm Brennweite war die Venus noch problemlos zu erkennen, auch mit 50mm Brennweite war sie gerade noch zu identifizieren:

Venustransit - mit Minimalst-Technik

Mit 28mm war der Planet zwischen den Filmkörnern nicht mehr eindeutig nachzuweisen, doch mit einem hochauflösenden Dokumentenfilm hätte es eventuell noch funktioniert.

Das verwendete 50mm Objektiv hatte eine Öffnung von 18mm. Die kleinstmögliche Öffnung ist sicher eine Lochkamera. Es wurden 2 Varianten eingesetzt. Ein etwa 300mm langes Papprohr zeigte die Venus nur schwach:

Papprohr-Konstruktion  Venustransit erscheint schach

Mit dem etwa 1,2m langen Rohr des heimischen Staubsaugers war ein deutlicheres Signal erhältlich:

bessere Ergebnisse

Das Staubsaugerrohr wurde vorn mit Alufolie und einem Gummiband verschlossen. In die Folie wurde mit einer Zirkelspitze ein etwa 1mm großes Loch gestoßen. Zwischen optimaler Brennweite und optimalem Lochdurchmesser gibt es ein festes Verhältnis. Je größer die Projektionsabstand, desto größer darf das Loch sein, um eine optimale Auflösung zu erzielen.

Venustransit mit Lochkamera

Nach ´Technische Fotografie´ von Gottfried Schröder entspricht der optimale Lochdurchmesser in Millimetern der Wurzel der Brennweite in Metern mal 1,2. Der optimale Lochdurchmesser ist jedoch auch wellenlängenabhängig. Der Faktor 1,2 gilt daher streng genommen nur für 555 nm. Die Auflösung in Bogenminuten errechnet sich bei 555 nm mit 4 dividiert durch die Wurzel des Projektionsabstandes. Theoretisch hätte mit dem 1,2m langen Staubsaugerohr die etwa eine Bogenminute große Venus nicht aufgelöst werden dürfen, doch durch die riesige Kontrastdifferenz konnte trotzdem ein verwaschener Fleck abgebildet werden.

Sonnenfotografie mit Lochkamera

bei der ringförmigen Sonnenfinsternis am 3.10.2005

Nach dem erfolgreichen Einsatz beim Venustransit 2004 kam bei der ringförmigen Sonnenfinsternis am 3.10.2005 erneut die Lochkamera zum Einsatz. Etwa 80km westlich von Madrid nahe der Kleinstadt Villacastin herrschten allerbeste Wetterbedingungen. Bei der Sonnenfinsternis wurde das Staubsaugerrohr auf etwa 1,2 m ausgezogen. Bei dieser Brennweite liefert ein Lochdurchmesser von einem Millimeter das optimale Ergebnis. Der Monddurchmesser hatte während der Finsternis etwa 93% des Sonnendurchmessers. Der Sonnenrand hatte demnach eine Breite von etwa einer Bogenminute. Durch die große Helligkeit und dem starken Kontrast war es dennoch problemlos möglich, den Ring komplett abzubilden. Das Staubsaugerrohr hat einen Innendurchmesser von 1¼ Zoll, so dass sich gängige Kameraadapter problemlos verwenden lassen. Praktischerweise stand so auch gleich ein Filtergewinde zur Verfügung. Denn trotz der winzigen Öffnung war es nicht möglich, die Sonne ohne Filter zu fotografieren. Um die Belichtungszeit für den verwendeten 200 ASA-Film auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, wurde deshalb ein ND2-Filter eingeschraubt. Mit dem Filter lieferte 1/125 Sekunde während der partiellen Phase das beste Ergebnis. Zur Finsternismitte mußte die Belichtungszeit auf 1/30 Sekunde erhöht werden. Neben der Auflösung spielt dabei auch die Randabschattung der Sonne eine Rolle. Die Kante unseres Zentralgestirns ist in der Flächenhelligkeit etwa 2 Blendenstufen schwächer als das Zentrum. Bei den Bildern sind auf der Sonnenscheibe seltsame Flecken zu erkennen. Es handelt sich dabei um Staub auf dem ND2-Filter. Um Staubflecken zu vermeiden, sollte der ND2-Filter vor dem Loch angebracht werden. Bei der nächsten Sonnenfinsternis am 29.3.2006 ist der erneute Einsatz der Lochkamera geplant. Wenn das Wetter mitspielt, könnte es vielleicht gelingen, die Korona abzubilden.

 

Sonnenfinsternis mit Lochbildkamera

 

 

 

 

!! EINE WICHTIGE WARNUNG !!

Blicken Sie niemals durch ein Teleskop, ein Fernglas oder ähnliches direkt auf die Sonne. Dies kann zu dauerhaften Augenschäden bis hin zur Erblindung führen! Ein geeigneter Sonnenfilter ist unerläßlich! Decken sie stets auch das Sucherfernrohr ab, um Schäden zu vermeiden! Auch bei der Beobachtung der Sonne mit bloßem Auge sind stets geeignete Schutzbrillen zu tragen, wie sie zum Beispiel hier erhältlich sind!