Praktische Sonnen-Beobachtung – Technik, Filter, Teleskope

Sonnenprojektion

Die einfachste Möglichkeit, die Sonne zu beobachten, ist die Projektion. Dabei wird einfach ein Okular in den Auszug gesteckt und das Sonnenbild auf ein Stück weißes Papier projiziert. Die Methode ist relativ gefahrlos. Allerdings eignen sich nicht alle Teleskope zur Projektion. Schmidt-Cassegrains und Maksutov-Systeme besitzen ein Blendrohr aus Kunststoff, das durch die konzentrierte Strahlung beschädigt werden kann – generell sollten Teleskope, die irgendwelche Elemente im Strahlengang haben wie zB. Fangspiegel oder Halterungen nicht für die Projektion verwendet werden! Die Ausrichtung des Teleskops erfolgt über den Schatten des Gerätes. Der Sucher sollte zuvor abgeschraubt oder abgedeckt werden, da das Sonnenlicht das Fadenkreuz beschädigen kann. Für die Projektion sollten einfache, unverkittete Schraubokulare mit Metallfassung verwendet werden. Klassische Huygens-Okulare sind bestens geeignet.

Sonnenbeobachtung mit Filtern

Die Projektionsmethode ist vor allen dann sinnvoll, wenn mehrere Personen gleichzeitig die Sonne beobachten möchten. Die kontrastreichen Flecken sind mit dieser Technik gut zu erkennen, die schwachen Flaregebiete und die Granulation sind jedoch in der Regel nicht zu sehen. Hier bedarf es des Einsatzes eines Sonnenfilters zur direkten Beobachtung der Oberfläche. Bei preiswerten Teleskopen ist oft ein kleiner grüner Okularfilter beigelegt. Diese sollten auf keinen Fall verwendet werden! Die Okularfilter neigen dazu, während der Beobachtung zu zerspringen. Dauerhafte Augenschäden können die Folge sein. Besser geeignet sind Objektivfilter aus Glas oder Folie. Die Glasfilter besitzen dabei meist einen etwas besseren Kontrast und eine neutralere Farbe. Das Sonnenbild der Folienfilter ist meist etwas bläulich, hat jedoch oft eine bessere Auflösung. Filterfolie gibt es relativ preiswert im Din-A4-Format. Als Fassung kann man einen alten Stickrahmen verwenden oder sich aus einem alten Pappkarton eine einfache Manschette basteln.

Glassonnenfilter auf einem LX200-Teleskop:
Glassonnenfilter 

Sonnenbeobachtung mit dem Herschelkeil

Eine hervorragende Lösung für die Sonnenbeobachtung im Weißlicht ist der Herschelkeil. Das Gerät hat die Form eines umgedrehten Zenitprismas. Durch Teilreflektion werden 96% des einfallenden Lichtes aus dem Strahlengang geleitet und nur 4% zum Beobachter gespiegelt. Das Restlicht wird durch einen Graufilter und einen doppelten Polfilter weiter reduziert. Der Vorteil des Herschelkeils liegt in der feinen Regulierbarkeit der Lichtmenge. Dadurch kann man in den Umbren der Sonnenflecken Strukturen sichtbar machen, die bei ungeregelten Filtern oft verborgen bleiben. Zudem gibt es beim Herschelkeil nur eine Glasfläche, die mit hoher Qualität gearbeitet werden muss. Bei Objektivsonnenfiltern sind mit Vor- und Rückseite gleich 2 hochwertige Glasflächen von nöten, die zudem noch viel größer und damit teurer sind. Allerdings gilt für den Herschelkeil in einer Hinsicht das gleiche wie für die Projektionsmethode, zB. bei Schmidt-Cassegrain-Systemen darf der Keil nicht verwendet werden! Leider ist der Einsatz nur am Refraktor wirklich sinnvoll.

Herschelkeil 'SolarVue 2' in 2 Zoll-Ausführung:
Herschelkeil 'SolarVue 2' in 2 Zoll-Ausführung   

 

 

 

 

 

!! EINE WICHTIGE WARNUNG !!

Blicken Sie niemals durch ein Teleskop, ein Fernglas oder ähnliches direkt auf die Sonne. Dies kann zu dauerhaften Augenschäden bis hin zur Erblindung führen! Ein geeigneter Sonnenfilter ist unerläßlich! Decken sie stets auch das Sucherfernrohr ab, um Schäden zu vermeiden! Auch bei der Beobachtung der Sonne mit bloßem Auge sind stets geeignete Schutzbrillen zu tragen, wie sie zum Beispiel hier erhältlich sind!